"Emanuel Bruno Quaet-Faslem (1785-1851) – Ein Architekt des Klassizismus"

Band 30 der "Schriftenreihe des Museums Nienburg" von Dr. Ulrich Knufinke zeigt Quaet-Faslem vor allem als Baumeister des Klassizismus.

Emanuel Bruno Quaet-FaslemDie Epoche der klassizistischen Architektur zwischen ca. 1780 und 1850 war eine Zeit des Umbruchs: Politische, soziale und ökonomische Umwälzungen veränderten das Bild unserer Städte, Dörfer und Landschaften. In Nienburg und Umgebung prägte ein außergewöhnlicher Baumeister nicht nur die architektonischen Entwicklungen jener Jahre: Emanuel Bruno Quaet-Faslem (1785-1851). Der aus dem heute belgischen Dendermonde stammende Quaet-Faslem kam mit den Heeren Napoleons als Ingenieur nach Norddeutschland. Von ca. 1814 bis zu seinem Tod 1851 lebte und wirkte er in Nienburg, wo er nicht nur bedeutende Bauwerke hinterließ, sondern mit der Gründung der Realschule, aus der später die Baugewerkschule und die Fachhochschule Nienburg hervorgehen sollte, die Ausbildung von Bauleuten und Architekten prägte. Seine weiteren Aktivitäten - als Leiter der Bauverwaltung, als Freimaurer oder als Abgeordneter der Ständeversammlung des Königreichs Hannover - machten ihn zu einer der einflussreichsten Nienburger Persönlichkeiten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu einem typischen „Modernisierer", wie sie in dieser Zeit der frühen Industrialisierung die weitere Entwicklung prägen sollten. Ein von der Prof. Dr. Volker und Dr. Hildegard Neuhoff-Fricke Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kunst großzügig gefördertes Forschungs- und Publikationsprojekt machte es möglich, Quaet-Faslems Werk zu untersuchen und neu der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Monographie will Quaet-Faslem vor allem als einen Baumeister des Klassizismus vorstellen. Ausgebildet im seinerzeit französischen Gent und vertraut mit den rationalistischen Ideen Durands, brachte er eine spezifische Ausprägung der klassizistischen Architektur nach Norddeutschland. Seine Bauwerke repräsentieren diese „Schule" und die Fähigkeiten des Architekten, neue Strömungen wie die Neugotik und den beginnenden Historismus in sein Entwerfen zu integrieren.

Das Buch beschreibt alle bekannt gewordenen Bauten und Projekte Quaet-Faslems und präsentiert sämtliche erhaltenen Zeichnungen seiner Hand. Historische Quellen geben Auskunft über seine architekturtheoretischen Intentionen, aber auch über die Bedingungen, unter denen er seine Entwürfe schuf. Vergleiche mit den Bauten und Projekten seiner Zeitgenossen wie Laves, Hellner oder Schinkel ordnen das Schaffen dieses außerhalb Nienburgs weitgehend unbekannten Architekten des Klassizismus in die allgemeine Entwicklung der Architektur seiner Zeit ein.

Ulrich Knufinke: Emanuel Bruno Quaet-Faslem (1785-1851) - Ein Architekt des Klassizismus. Gefördert von der Prof. Dr. Volker und Dr. Hildegard Neuhoff-Fricke-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kunst. Schriften des Museums Nienburg/Weser 30. Nienburg/Weser 2010.
252 S., 204 überwiegend farbige Abbildungen
ISBN 978-3-9813995-0-9
22,- Euro